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Fußball in Schottland

Keep on fighting

Fußball in... SchottlandInverness. Inverness boomt. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Tiefstand, die Gewerbegebiete schießen wie Pilze aus dem Boden, die Eigenheime sind kaum noch zu bezahlen und die MacDonalds, Mackays und MacIntoshs sorgen fleißig für Nachwuchs. Innerhalb von nur 40 Jahren haben sie die Einwohnerzahl annähernd verdoppelt. Parallel dazu ging es auch mit dem Fußball bergauf. Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung: der Aufstieg von Inverness Caledonian Thistle in die Scottish Premier League (2004). Doch auch der kleine Lokalrivale Clachnacuddin FC hält sich beachtlich. 18 Mal gewannen die Lilywhites bislang die Highland League. Rekord.

In dieser Saison läuft es allerdings alles andere als optimal. Nach 23 Spieltagen reicht es nur für den neunten Platz. Besserung ist nicht in Sicht. Auch nicht gegen den Tabellenfünften aus Banff. Zwei gute Chancen in den ersten Minuten, danach gelang nicht mehr allzu viel – außer einem Handspiel von Connelly in der 18. Minute. Rote Karte, Elfmeter, Rückstand, der Anfang vom Ende. Zur Halbzeit hatte der Gast eine komfortable 3:0-Führung herausgeschossen und „Clach“ kaum noch Aussichten, die Partie zu drehen. Doch Schotten können nicht mauern. Speziell die Highlander kennen nur den Vorwärtsgang. Statt das Resultat zu halten, spielte die dezimierte Elf, die nun keine mehr war, in der zweiten Hälfte munter nach vorne. Ergebnis: zwei sehenswerte Treffer von Duncanson, aber auch zwei schöne Kontertore des Gegners. Weniger (Offensive) wäre vermutlich mehr (Stabilität) gewesen. Zwecklos, einem Schotten diesen Zusammenhang zu erklären. Und letzten Endes hatten sie ja auch Recht. Für die Zuschauer jedenfalls bot das 2:5 mehr Unterhaltung als ein 0:3 – auch wenn die Tordifferenz dieselbe ist.

Die Heimfans hatten für derlei Überlegung aus nachvollziehbaren Gründen wenig Verständnis. Obwohl die Stimmung im Grant Street Park sicher schon besser war, hat sich der Besuch gelohnt. Der Geruch von feuchtem Rasen und fettigen Cheeseburgern, die abenteuerliche Stehplatzkonstruktion, die groteske Haupttribüne, der raue Charme der Arbeiterklasse an der Seitenlinie und über alldem das Kreischen dutzender Möwen: Great!

Und dann war da ja noch der in Ehren ergraute Präsident des Deveronvale Football Club. „Do you know me? I’m Bingo Bremner“, hatte er sich dem verdutzten Gast vorgestellt, der natürlich keine Ahnung hatte, wer da vor ihm stand. Robert – so sein bürgerlicher Name – hat sein Leben lang gekämpft. Zuerst in Belgien gegen die Deutschen später in Birma gegen irgendwelche Asiaten und anschließend an anderen Schauplätzen der Kriegsgeschichte. Ein echter Braveheart eben. Weshalb es auch kein Wunder ist, dass ihn niemand besiegen konnte. Mit nunmehr fast 89 Jahren fühlt sich der Präsident keineswegs zu alt, sein Team samstags auf die 115 x 75 yard großen Schlachtfelder der Gegenwart zu begleiten. Keep on fighting, Bingo!


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