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Fußball in Irland

Zum Verlieren geboren 

Fußball in... IrlandSligo. Irischer Regen. Alles durchdringende Nässe. Unablässig fallende Tropfen. Mal in konstanter Folge, sorgsam aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Dann wieder als kurzes Trommelfeuer. Prasselnd, von stürmischen Böen begleitet. Gelegentlich macht er der Sonne Platz – doch die Ruhe ist trügerisch, die Hoffnung vergebens. Nach wenigen Augenblicken ist er wieder da. Noch kraftvoller, ergiebiger und heftiger als zuvor.

Der Regen ist ein Gegner, den nicht nur Touristen fürchten. Auch die Karriere so manches Fußballers soll schon in ihm versunken sein. Allerdings nicht in Irland. Bei gefühlten 360 Regentagen im Jahr haben Schönwetter-Spieler dort ohnehin keinerlei Überlebenschance. Dafür gedeiht im Land der Moore und Seen eine andere Spezies umso besser: der Kämpfer. Pausenlos – so wie die Wellen den Strand berennen, die Wolken über das Land ziehen, die zahllosen Bäche dem Meer entgegenstreben – attackieren irische Kicker, geben keinen Ball verloren, keinen Quadratmeter Rasen widerstandslos preis.

Eine ansehnliche Kostprobe echt irischen Kampfgeistes lieferten kürzlich die Akteure des Athlone Town FC. Als abgeschlagenes Schlusslicht reisten sie am vorletzten Spieltag der zweiten Liga (die sich irreführend First Division nennt) zum Tabellenführer nach Sligo. 33 Punkte trennten beide Teams. Eine klare Sache also. Und eine gute Gelegenheit für die Heimelf, ihre treuen Fans noch einmal mit vielen Toren zu verwöhnen.

Überall sonst auf der Welt wäre das Erwartete vermutlich auch eingetroffen: Der souveräne Meister hätte haushoch gewonnen, der tapfere Gegner sich in sein Schicksal gefügt und die Presse anschließend über einen standesgemäßen Sieg berichtet. Doch die O’Keefes, die O’Connors und die O’Learys aus Athlone hatten nicht vor, sich zu ergeben. Schließlich sind sie Iren. Und als solche taten sie, was Iren immer tun: sie kämpften. 90 Minuten lang rannten sie wie besessen, verteidigten ihren Strafraum wie eine Festung, warfen sich todesmutig in jeden Schuss, übten sich unermüdlich in der Kunst des Befreiungsschlags – und freuten sich letztendlich über ein verdientes 0:0. Und das alles, obwohl es in der First Division gar keinen Absteiger gibt, der hohe Aufwand somit nicht nötig gewesen wäre.

Warum der irische Fußball trotz kaum zu übertreffenden Einsatzes international chronisch erfolglos ist? Das kann wohl nur – nein, das muss einfach am Wetter liegen. So wie Brasilien untrennbar mit Sonnenschein, Samba und WM-Titel verbunden ist, scheinen zu Irland Dauerregen, Depressionen und Niederlagen zu gehören. Mit dem Verlieren halten es die Iren indes wie mit dem Regen. Sie können sich zwar nicht daran gewöhnen, haben aber gelernt, damit zu leben. Und sie kämpfen unverdrossen weiter dagegen an – wenngleich ohne große Aussicht auf Erfolg.


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