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Shaktar Donezk – Borussia Dortmund 2:2

Donbass Arena, 13. Februar 2013, 49.140 Zuschauer

Shaktar Donezk – Borussia Dortmund 2:2

Jeder hat eine Chance verdient. Sogar ein ukrainischer Oligarch mit zweifelhaften Manieren, obskurer Vergangenheit und dubioser Vorliebe für diktatorische Staatspräsidenten. Aber gilt das auch für Rinat Achmetow?

Mit westlichen Medien spricht der 47-Jährige schon lange nicht mehr. Er wird schon wissen warum. Fragen nach Menschenrechten, Korruption und geschätzten zwölf Milliarden Euro auf seinem Konto können extrem unbequem sein. Im ukrainischen Fernsehen darf der Despot aus dem Donbass dagegen stundenlange Monologe halten – sogar im Vorprogramm der Champions League. Lästige Fragen stellt dort niemand. Schon gar nicht die willfährigen, hochhackigen Strapsmäuse, die sich nur zu gerne im Glanz des aalglatten Alleinherrschers sonnen und mit ihrem traurigen Dasein ansonsten sehr zufrieden sind.

Wahrscheinlich gibt es nicht allzu viel in Donezk, das Rinat Achmetow nicht gehört und an dem er nicht ordentlich mitverdient. Ein lohnendes Investment ist sicher auch die Donbass Arena, ein umgestürztes rund 200 Mio. Euro teures Ufo der Kategorie puristisch-neokolossal. Es wäre interessant zu wissen, woran der reichste Mann der Ukraine denkt, wenn er hier an Champions League-Spieltagen die Huldigungen seiner besser verdienenden Untertanen entgegen nimmt.

Ich denke jedenfalls an die trostlosen Barracken entlang der Kuybisheva, an die zerbröselnden Hochhäuser von Rutschenkowo im Westen bis Proletarskij im Osten, an die bettelnden Babuschkas, denen die pure Not in ihre zahnlose Gesichter geschrieben steht, an die unzähligen vergammelnden Industriebauten, aus denen längst ihrer Funktion beraubte Leitungen ragen wie zerplatzte Gedärme, an Fußwege mit metertiefen ungesicherten Löchern, in denen sich die Abfälle der Nachbarn stapeln, an die stinkenden Fische in den Auslagen der Supermärkte, an die lächerliche Touristeninformation mit den vergilbten Flyern der Euro 2012 als einziger Attraktion, an dunkle Hinterhöfe, streunende Hunde und all die anderen unübersehbaren Anzeichen des täglichen Elends.

Ausgerechnet Donezk, die Heimat von Depression und Trübsal, ist zum Spielball eines eitlen Größenwahnsinnigen geworden, dessen selbstgefälliges Auftreten an Gert Fröbe in seiner Paraderolle als Auric Goldfinger erinnert. Dabei gibt es dort wahrlich wichtigere Aufgaben, als einem Fußballverein (und seinem Besitzer) mit gigantischen Summen ein wenig internationale Beachtung zu kaufen. Ob Rinat Achmetow das auch so sieht? Einen Tage nach dem Spiel hat Shaktar jedenfalls den Verteidiger Ismaily Gonҫalves dos Santos – der neunte Brasilianer im Kader der Ukrainer – vom SC Braga verpflichtet. Als Ablöse dürften einige Millionen Euro nach Nordportugal geflossen sein.

P.S. Lang lebe „Erbse“ Erdmann!

 


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