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Hammarby IF – Jönköping SIF 2:2

Söderstadion, 24. Juli 2012, 7.723 Zuschauer

Hammarby IF – Jönköping SIF 2:2

Es gibt Spiele, die bieten so viele Überraschungen wie die päpstliche Ostermesse oder die Haushaltsdebatte im Bundestag – gar keine. Alles verläuft nach Schema F. Der Favorit geht in Führung. Der Favorit gewinnt. Der Außenseiter gerät in Rückstand. Der Außenseiter verliert. Vorhersehbar. Und dann gibt es noch die anderen Spiele. Das sind die wirklich interessanten.

„Söder“ wie es die Anhänger liebevoll nennen, ist das kleinste der drei großen Stockholmer Stadien. Doch heute wächst es wieder einmal über sich hinaus. Die Stimmung ist großartig und die Lautstärke des Publikums so wie es die Bajen am liebsten haben: zum Fürchten. Gänsehaut-Atmosphäre. Die Mannschaft scheint das zunächst zu belasten. Sie ist erkennbar nervös. Selbst einfachste Dinge wollen nicht gelingen. So wie vor dem 0:1. Völlig unbedrängt klärt der Verteidiger zur Ecke anstatt den Ball ins Seitenaus zu dreschen.

Ganz anders der Gegner. Anfangs durchaus beeindruckt, lässt er nun den Ball locker laufen, gewinnt mit jeder Aktion an Sicherheit und erhöht nach einer halben Stunde ebenso verdient wie vorhersehbar auf 0:2. Die Vorentscheidung – wenn es nicht den berüchtigten speziellen Geist des „Söder“ gebe. Statt unzufrieden und pfeifend regiert das Stadion trotzig. Als ob es die Verunsicherung der Mannschaft spürte, steigert es die Lautstärke auf ein neues, noch höheres Niveau.

Unablässig ertönen die Gesänge, verdichten sich zu einem unüberhörbaren Signal: Wir sind noch nicht geschlagen! Wie lange wäre das wohl so weitergegangen? Wie lange hätten Nach- und Zuversicht gereicht? Wie lange hätte der Geduldsfaden gehalten? Mit seinem Anschlusstreffer in der 42. Minute beendet Max von Schleebrügge alle Fragen und Spekulationen. Jetzt ist das Stadion endgültig ein Tollhaus, die Hoffnung auf ein glückliches Ende förmlich zu greifen.

Die zweite Hälfte beginnt mit dem erwarteten Sturmlauf der Gastgeber. Was dagegen nicht vorhersehbar ist: Das Anrennen geht auch in Unterzahl weiter. Sebastian Castro-Tello hat nach einer Viertelstunde Gelbrot gesehen doch HIF ist unbeeindruckt, spielt unablässig weiter nach vorne. Die Grenzen zwischen Mannschaft und Publikum sind längst verschwunden. Untergegangen in völliger Ekstase. Die einen schreien, die anderen kombinieren sich in einen Rausch. Belohnt werden beide. Christophe Lallet trifft zum Ausgleich.

Jetzt ist das Spiel kein Spiel mehr, sondern Drama. Ein offensiver Schlagabtausch, dessen Spannung mit jeder Minute steigt. Die Bajen drängen auf den Sieg, Jönköping steht bei zwei Kontern frei vorm Tor. Zählbares gelingt dennoch beiden nicht. Es bleibt beim Unentschieden. Eindeutiger Gewinner des Spektakels ist dagegen das „Söder“. Ohne seine einmalige Atmosphäre hätte es wohl einen sicheren Auswärtssieg gegeben. Bleibt die Frage: War das jetzt vorhersehbar oder überraschend?

Drei weitere Fragen drängen sich auf: 1. Warum um Himmels Willen wird dieses legendäre Stadion am Ende der Saison abgerissen? Wer ist bloß auf die Idee gekommen, das neue „Söder“ zusätzlich zur Heimat des verhassten Lokalrivalen Djurgarden zu machen? Was haben sich die Bajen dabei gedacht, 1978 ihre Vereinsfarben zu ändern? Noch dazu von einem grandiosen Schwarzgelb in ein belanglosen Grünweiß. Drei gute Gründe bald mal wieder nach Hammarby zu fahren.

 


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