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Fußball in Liechtenstein

Beckenbauer lügt

Fußball in... LiechtensteinBalzers. Sie sind wahre Helden. Sie kämpfen nur für die Ehre – oder ersatzweise für Gott, Fürst und Vaterland. Sie kennen keinen Luxus, geben kein Spiel verloren und treten auch ohne Siegprämie an. Zurzeit sind sie so erfolgreich wie nie zuvor und dennoch ziemlich chancenlos. So sind sie – die Fußballer des Zwergstaats Liechtenstein.
Wer interessiert sich schon für Liechtenstein? Höchstens das Finanzamt und die Steuerfahndung. Es sei denn eine Fußball-WM steht vor der Tür. Genau wie die Leidensgenossen aus Luxemburg, Malta und Moldawien ist der ewige Außenseiter dann als Testspielgegner plötzlich heiß begehrt. Kanonenfutter, um stümpernden Stürmern und verunsicherten Verteidigern der vermeintlich Großen zu neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen. Eine undankbare Rolle.


Dabei stammt ausgerechnet von Franz Beckenbauer, dem Sprachrohr, Übervater und personifiziertem Sachverstand der deutschen Fußballnation, die Erkenntnis, dass die Zeit der leichten Gegner längst vorbei ist. „Die Kleinen haben mächtig aufgeholt“, analysiert die Kultfigur aus Kitzbühel stets messerscharf, wenn bei den Bundesbubis mal wieder nichts zusammenläuft. Oder er stimmt gleich seine Lieblingshymne an: „Heutzutage kann jeder jeden schlagen“. Welch ein Quatsch. Alles Lüge! Augenwischerei.

Davon kann sich leicht überzeugen, wer an einem sonnigen Tag den Alpspitz erklimmt. Östlich der Hauptstadt Vaduz gelegen, hat man von seinem Gipfel bei gutem Wetter nicht nur eine tolle Aussicht – man überblickt auch den größten Teil des liechtensteinischen Staatsgebiets. Und gebe es dort genauso viele Bäume wie Autobahnen – nämlich keine – könnte man sogar fast alle sieben (!) Fußballfelder des Landes sehen. Im Ernst: Soll man sich vor einer Nation fürchten, die weniger Rasenplätze besitzt als Unna oder Lünen? Die mangels Vereinen keine eigene Liga unterhält? Deren größtes Stadion 5.000 Zuschauer fasst und die stolze 13 Jahre brauchte, um ihr erstes Pflichtspiel zu gewinnen? Solch verwegene Gedanken gehen wohl nur dem Kaiser ungestraft durch.

Auch ein Blick auf den grünen Rasen fördert wenig Imponierendes zu Tage. Im Gegenteil. Beim Spiel des FC Balzers – mit elf Meisterschaften hinter dem FC Vaduz die nationale Nummer zwei – gegen den AC Sementina bekam der Gast aus Deutschland nur Grausamkeiten geboten: 112 Zuschauer, ebenso viele verstolperte Torchancen sowie ein verschossener Elfmeter. Kein Wunder, dass die Mannschaft um Nationalspieler Daniel Frick aktuell im unteren Mittelfeld der 2. Liga Interregional (vergleichbar der Oberliga).rangiert.

Andererseits: Zum Abschluss der WM-Qualifikation verlor Liechtenstein in Portugal höchst unglücklich – durch einen abgefälschten Kopfball in der 86. Minute. Auch die Partie gegen Russland ging nur knapp mit 1:2 verloren. Und gegen die Slowakei erkämpfte sich das Team sogar ein achtbares Unentschieden. Gute Gründe, es den Finanzbehörden gleich zu tun – und sich künftig intensiver mit der Alpenmonarchie zu befassen.


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