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Fußball in Italien

Ciao calcio!

A.C.D. Citta’ di Vittoria – Rosarno CalcioVittoria. Schön war die Zeit als Neapel noch sauber, Rimini fest in deutscher Hand und Fußball in Italien eine ernst zu nehmende Sportart war. Lange ist’s her. Heute dagegen? Die azzurri – eine Bande ewig lamentierender Schauspieler. Die treneri – rückständige Betonmischer à la catenaccio. Die arbitri – skrupellose Verbrecher, die für eine Calzone jeden Spielbericht frisieren. Die tifosi – ohne Beretta fahren sie zu keinem Auswärtsspiel. So die vorherrschende Meinung. Vorurteil oder Realität? Aufschluss könnte ein Blick in die Serie D geben. Dort präsentiert der calcio sein wahres Gesicht. Authentisch und unverfälscht.
 
Noch ist keine Minute gespielt, da haut es Rosarnos Nr. 8 um wie eine morsche Zeder, die der Blitz in der Wurzel trifft. Dreifacher Überschlag, schmerzverzerrtes Gesicht und hektisches Handgewedel in Richtung Betreuer lassen nur einen Schluss zu: Hier ist soeben eine große Karriere zu Ende gegangen. Doch kaum hat der dottore die Behandlung beendet, sprintet der Scheintote über den Platz, als sei ihm der gesamte Corleone-Clan auf den Fersen. Eine Wunderheilung! Aus solchen Anlässen werden im erzkatholischen Sizilien normalerweise Wallfahrtskirchen gebaut. Heute belässt man es dagegen bei ungläubigem Staunen. Eine weise Entscheidung – zumal sich ähnliche Szenen im Minutentakt wiederholen. Jeder Angriffsversuch endet damit, dass ein sterbender Stürmer mittels massivem Einsatz von Eisspray wieder belebt werden muss. Schon nach kurzer Zeit ist auch dem letzten Zuschauer klar: Ohne Elfmeter fällt hier garantiert kein Treffer. In der 55. Minute erfasst endlich auch Schiri Ronchi den Ernst der Lage. Ein Tor muss her. Und zwar subito. Schon bei der nächsten Aktion – einem harmlosen Rempler im Mittelfeld – wird der Tatort großzügig um mehrere Meter hinter die Strafraumgrenze verlegt. Statt das unerwartete Geschenk dankbar anzunehmen versucht Fiorino die ganz große Nummer: eine Bogenlampe über den auf der Linie postierten Keeper. Der muss sich nicht einmal bewegen, um den Ball sicher zu fangen. Im Gegenzug durchschlägt Vittorias Mittelstürmer Di Piazza mit dem Schädel die Werbebande hinter dem Tor. Zuvor hatte sein Gegenspieler bei gefühltem Tempo 120 die Sense ausgefahren. Statt Strafstoß gibt’s Abschlag. Vor ungläubigem Staunen vergessen die Ultras sogar ihre Beretta nachzuladen. Ansonsten wäre Signore Ronchi wohl an Ort und Stelle bestattet worden.

Statistisch ergibt sich ein für italienische Verhältnisse typisches Bild: null Tore, ein verschossener Elfer, vier gelbe Karten (darunter zwei wegen Reklamierens) und unzählige unkontrollierte Pfiffe aus der Schiri-Flöte. Doch was bleibt an Grundsätzlichem? Spieler, die den sterbenden Schwan besser beherrschen als den gepflegten Flachpass. Zwei Trainer, die verzweifelte Befreiungsschläge als grandiose Abwehrleistung feiern und ein Schiedsrichter, der offensichtlich von irgendwelchen Hütchenspielern bezahlt wird. Mit Fußball hatte das alles wenig zu tun. Eher mit einer schaurig-schockierenden Inszenierung desselben. Quod erat demonstrandum.



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